Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht? Oder: Was Ananas mit Sport zu tun hat

 

Vor allem bei Abschlussarbeiten von Schülern und Studenten fällt mir immer wieder auf, dass die These „Je komplizierter ich schreibe, desto weniger fällt auf, dass ich eigentlich gar keine Ahnung habe“ vorzuherrschen scheint.

 

Dieser Ansatz ist zwar ganz pfiffig, aber meiner Erfahrung nach sind Professorinnen und Professoren sowie Dozentinnen und Dozenten eher selten komplette Idioten und sie merken, wenn jemand Ahnung von der Materie hat und wenn nicht.

 

Oberstes Gebot: Einfachheit!

 Auf der anderen Seite sorgen einfache Texte mit einfachen Sätzen – die trotzdem dem Niveau des Ziel-Lesers angemessen sind – dafür, dass man Sachverhalte besser versteht. Das gilt für wissenschaftliche Arbeiten, für Werbebriefe, Bewerbungsschreiben, Romane und für alle anderen Texte, die vor allem für andere Menschen geschrieben werden. Unter Werbetextern herrscht das Mantra: „Don’t make me think!“ („Lass mich nicht denken!“)

 

Schon Martin Luther war der Meinung, dass man einfach schreiben solle, denn „so verstehen sie (die Leser) es dann und merken, dass man Deutsch mit ihnen redet“.

 

 

Wollen Sie also kompetent wirken und Ihren Lesern sinnvollen Inhalt vermitteln, heißt der Schlüssel zum Erfolg: so wenige Fremdwörter und kurze Sätze wie möglich nutzen. 

ACHTUNG: Ich will an dieser Stelle wirklich keinem dazu raten, nur noch aus Hauptsätzen bestehende Texte zu verfassen – bitte verstehen Sie mich nicht falsch! Texte müssen der Ziel-Leserschaft in ihrem Vokabular angepasst sein. Die Hausarbeit zur Photosynthese in der Fakultät für Biologie sollte nicht beginnen mit dem Hauptsatz „Das Gras ist grün“ – Sie können davon ausgehen, dass die Dozentin oder der Dozent um diesen Umstand weiß und dieser Ansatz demnach zu einfach und den Gegebenheiten nicht angemessen ist.

 

Ich möchte nur darauf aufmerksam machen, dass, nur weil man welche, welches und welcher anstatt der, die, das einsetzt, ein Text deswegen nicht klüger oder tiefsinniger wird: „Die Ananas, welche sich auf dem Boden befindet, welcher bereits schmutzig ist, nimmt nach einiger Zeit die Farbe an, welche man auch bei anderen braunen Gegenständen vorfindet.“ Das heißt letztendlich nichts anderes als: „Die Ananas, die auf dem Boden liegt, wird mit der Zeit braun.“

 

4 Tipps für einfaches Verstehen

1. Tipp: Zwei Sätze sind besser als eine Aneinanderreihung von 87 Wörtern und Kommata, die niemand mehr durchschaut.

 

2. Tipp: Streichungen tun weh, aber Sie sollten wirklich auf ein paar die, dies, diese verzichten. „Die Sorte dieser Ananas, ist dieselbe wie diese, die auch die Mannschaft gern isst.“ Ja, grammatikalisch richtig, aber störend im Lesefluss.

 

Besser: „Diese Ananassorte isst auch die Mannschaft gern.“ Alternativ können Wörter auch wiederholt werden, anstatt Platzhalter zu verwenden – so ein Vorgehen hilft auch gleichzeitig dabei, den Leser auf einen ganz bestimmten Aspekt gezielt hinzuweisen, ohne ihn aussprechen zu müssen: „Diese Sorte Ananas ist dieselbe Sorte, wie sie auch die Mannschaft gern isst.“ Hierbei wird ganz ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es wirklich nur diese eine Sorte und keine andere ist.

 

3. Tipp:Schreib, wie du sprichst!“ Das kann nicht überall angebracht sein. Es ist aber vor allem dann sinnvoll, wenn Sie sehr komplizierte Sachverhalte schildern müssen: Wie würden Sie das, was sie geschrieben haben, einer dritten Person erklären, sodass sie es versteht? Warum schreiben Sie es dann nicht auch so?

 

4. Tipp: Lassen Sie einen Dritten Ihren Text nicht nur nach orthografischen Fehlern überprüfen, sondern auch danach, ob sie oder er wirklich versteht, was sie ihr oder ihm sagen wollen.

 

Spätestens wenn Ihre Leserschaft zu Ihnen aufblickt, die Stirn runzelt und fragt: „Okay, aber was genau heißt das jetzt und was hat die Ananas jetzt mit Sport zu tun?“, sollten Sie sich Ihren Text noch einmal vorknöpfen.


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